CO2-neutral zum Klimagipfel geflogen?

Plakat in Bonn rund um die COP 23

Want to make a difference? Want to travel and still be green? It’s easy. Go Climate Neutral Now” so wirbt die UN-Initiative „Climate Neutral Now“ bei der Klimakonferenz COP 23 in Bonn für ihr Kompensationsprogramm. Doch gibt es wirklich so etwas wie CO2-neutrale Flüge? 

Finance & Trade Watch zeigt auf, dass es sich hierbei hauptsächlich um Greenwashing handelt: Die letztes Jahr veröffentlichte Fake-Website www.climate-neutral.org verdeutlicht auf sarkastische Art und Weise die Problematik der Kompensation von Emissionen. Am 20. November erscheint die neue Broschüre von FT Watch mit dem Titel „Grünes Fliegen – gibt es das?“ Sie untersucht aktuelle Klimastrategien der Luftfahrt auf ihre Wirksamkeit. Am 30. November findet in Wien eine Podiumsdiskussion mit demselben Titel statt, auf der die Broschüre vorgestellt wird. Und im Rahmen der COP 23 organisierte FT Watch ein internationales Vernetzungstreffen zum Thema Flugverkehr und Klima – ganz ohne Flugreisen.

Flüge: Der schnellste Weg zur Klimakrise

Fliegen stellt die bei Weitem klimaschädlichste Transportform dar: Pro 1 000 Personenkilometer verursacht ein Flug im Schnitt 18 Mal so viel Kohlendioxid (CO2) wie die Bahn. Dennoch wächst der Luftverkehr schneller als jeder andere Sektor und die Industrie sträubt sich bisher erfolgreich gegen eine absolute Begrenzung des Flugaufkommens. Denn dies bliebe nicht ohne Auswirkungen auf die Profite der Flugindustrie. Fluggesellschaften, Flughäfen, Transportministerien und ein ganzer Tross von Lobbyisten geben deshalb vor, den perfekten Ausweg gefunden zu haben: Grünes Wachstum.

Die am 20. November erscheinende Broschüre zeigt, dass die Flugindustrie vor allem auf technologische Innovationen und grünen Flugtreibstoff setzt – Erwartungen, die sich als höchst unrealistisch erweisen. Aus diesem Grund wird die Kompensation von Emissionen, das sogenannte Offsetting, eine immer größere Rolle in den Klimamaßnahmen der Flugindustrie spielen. Und zwar auf verschiedenen Ebenen: UN-Gremien propagieren ein „CO2-neutrales Wachstum” der internationalen Luftfahrt, Flughäfen präsentieren sich zunehmend als grün und nachhaltig und Einzelpersonen werden gegen einen kleinen Aufpreis angeblich klima-neutrale Flüge angeboten – wie mittels der Climate Neutral Now Initiative. Vor einem Jahr veröffentlichte FT Watch die Konter-Website Climate Neutral (www.climate-neutral.org), die die Praxis der Kompensation auf sarkastische Weise hinterfragt und die damit verbundenen Probleme aufzeigt.

Rote Linien für Flugverkehr – statt Greenwashing

Demonstration in Bonn am 4. November 2017

Angesichts der geplanten massiven Wachstumsraten der Luftfahrt werden die aktuell vorgebrachten grünen Strategien den massiven Anstieg von Emissionen nicht verhindern können. Die steigende Nachfrage nach Agrartreibstoffen und Kompensationsgutschriften durch die Luftfahrt läuft Gefahr, Ungerechtigkeit zu vergrößern und neue ökologische Probleme und Konflikte zu verursachen. Dass es auch anders geht – und gehen muss , zeigen Initiativen, die an den Ursachen des Klimawandels ansetzen und auf wirksamen Klimaschutz im Flugverkehr, also einer Reduzierung des Flugaufkommens, drängen. Diese Initiativen trafen sich im Rahmen des Bonner Alternativgipfels „Peoples Climate Summit“ am 6. November in Bonn bei einem von FT Watch organisierten Vernetzungstreffen: Die dort vertretenen NGOs, Klima-Aktivist*innen, Gruppen, die sich an verschiedenen Orten gegen den (Aus)Bau von Flughäfen stellen, kritische Gewerkschaften und Initiativen für den Erhalt von Nachtzügen sind dabei, ein Netzwerk zur Verhinderung von Flugwachstum zu gründen. Durch eine Online-Konferenz konnten auch Personen aus den Maledieven, Mexiko und den USA teilnehmen – ganz ohne Flugzeug. Denn ein Flug wird immer die Klimakrise anheizen – ob mit oder ohne Kompensation.