Belo Monte-Staudamm (Brasilien)

BRASILIEN: Belo Monte-Staudamm – Lebensader des Amazonas in Gefahr

An einem der Hauptzuflüsse des gewaltigen Amazonas-Flusssystems, dem Rio Xingu, errichtet die brasilianische Regierung den drittgrößten Staudamm der Welt. Die ökologischen und menschlichen Auswirkungen des Projekts sind verheerend. Ähnlich wie im Ilisu-Projekt beteiligt sich die österreichische Andritz AG in einem Konsortium mit zwei weiteren europäischen Unternehmen am Belo Monte Projekt.

Dossier: Der Belo-Monte-Staudamm und die Rolle europäischer Konzerne

Für den Bau des 11 Gigawatt-Kraftwerks wird am Rio Xingu mehr Erde versetzt als beim Bau des Panama-Kanals notwendig war. Doch da die Wasserführung des Flusses sehr unbeständig ist, wird die Nennleistung des Kraftwerks nur wenige Monate im Jahr erbracht werden können. Damit das Projekt dennoch wirtschaftlich ist, müssten drei weitere Staustufen stromaufwärts gebaut werden. Die riesigen Wasser-Reservoirs würden weitere indigene Territorien und Schutzgebiete in Mitleidenschaft ziehen. Doch darüber wird in der Öffentlichkeit nicht gesprochen.

Die ursprüngliche Kritik, dass sich die bei der Genehmigung durch das Parlament genannten Baukosten noch weiter erhöhen würden, hat sich mittlerweile bewahrheitet. Die brasilianische Entwicklungsbank BNDES geht gegenwärtig von Gesamtkosten in der Höhe von R$ 28,9 Mrd. (ca. € 11 Mrd.) aus. Für die ersten 30 Jahre wird mit Einnahmen für die erzeugte Energie von R$ 100 Mrd. gerechnet – die Gewinne sind privat, das Investment öffentlich. Vor allem ist der erzeugte Strom für die Industrialisierung des Regenwaldgebietes und nicht für die jetzt ansässige Bevölkerung vor Ort gedacht. „Belo Monte“ wird nicht die billige Energie liefern, von der wie versprochen die Armen profitieren können.

In der Vergangenheit wurde das Belo Monte Projekt bereits einmal aufgrund des Widerstands der am Fluss lebenden indigenen Bevölkerung gestoppt. An ihrer Seite kämpft auch der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler. Das Projekt wird zehntausende Menschen ihrer Heimat berauben und riesige Flächen Urwald unwiederbringlich vernichten.

Im Mai 2016 wurden die ersten Turbinen zur Stromproduktion in Betrieb genommen, 2019 soll das Projekt fertig gebaut sein und zur Gänze in Betrieb gehen.

Aktuelle Nachrichten zum Belo Monte Projekt bei International Rivers:
https://www.internationalrivers.org/node/2288/see-all/blog_entry

Die Menschen am Rio Xingu wollen den Staudamm nicht. (Fotos: ECA Watch / Greenpeace)

Projektauswirkungen des Belo Monte-Staudamms

  • Die einzigartige ca. 100 Kilometer lange „Volta Grande“ (Große Schleife) des Xingu, an der der Staudamm errichtet werden soll, ist ökologisch äußerst wertvoll mit ihren Wasserfällen, natürlichen Kanälen und Stromschnellen. Der Fluss wird viel weniger Wasser führen und vor allem seine saisonalen Pegelschwankungen einbüßen. Die davon abhängige spezifische Artenvielfalt wird weitgehend und unwiederbringlich verloren gehen.
  • Über 600 km² Land werden geflutet. 200 Millionen m³ Erde müssen ausgehoben werden, mehr als beim Bau des Panama-Kanals. Sowohl in den überfluteten als auch in den von Austrocknung bedrohten Gebieten am Unterlauf wird Regenwald für immer zerstört.
  • Mehr als 900 verschiedene Fischarten werden in dem betroffenen Gebiet vermutet. Mehr als hundert Arten könnten durch den Bau für immer verloren gehen. Auch der weltweit größte Schildkröten-Brutplatz ist vom Staudammprojekt betroffen. Dieser wird den Sand zurückhalten, der für die Bildung immer neuer Inseln notwendig ist. Jedes Jahr legen dort rund 30.000 Schildkröten ihre Eier ab.
  • Entlang des Rio Xingu leben tausende indigene Menschen, die direkt vom Belo Monte-Projekt betroffen sind. Insgesamt müssen 20.000 bis 40.000 Menschen umgesiedelt werden.
  • Negative Erfahrungen aus anderen gigantischen Staudamm-Projekten bleiben unberücksichtigt: Die unwiederbringliche Zerstörung von Lebensraum und -grundlagen, von traditionellen Gemeinschaften durch Umsiedlungen, die Beeinträchtigung der Gesundheit durch veränderte Naturphänomene (z.B. Zunahme an Insekten), unzureichende oder keine Entschädigungszahlungen für die Betroffenen, u.v.m.,.
  • Die Argumentation „Wasserenergie ist saubere Energie“ stimmt bei Staudämmen in den Tropen nicht: Durch Fäulnisprozesse in den überfluteten Regionen werden Unmengen an klima-schädigendem Methan-Gas freigesetzt. Investitionen in alternative Energieträger wie Windkraft und Sonnenenergie wurden nicht in Erwägung gezogen.
  • Erste Nachfolgeprojekte zeigen, wie Belo Monte und weitere Staudamm-Projekte die industrielle Erschließung (und so die sukzessive Zerstörung) des verbleibenden Amazonasgebietes einleiten sollen. So sind etwa schon die Verträge zugesichert, dass der kanadische Konzern Belo Sun in der trockenfallenden Volta Grande die größte Goldmine Brasiliens errichten soll. Die Verquickung von Staudamm- und Bergbauindustrie ist offensichtlich.

 

Nicht zum ersten Mal kämpfen die Kayapo gegen Belo Monte, das sie ihrer Landrechte und ihrer Lebensgrundlage beraubt. Im Februar 2012 wurde Chief Raoni (links, Mitte) wegen seinen Widerstands tätlich angegriffen. Fotos: Amazon Watch / Sue Cunningham

 

Letzte Aktualisierung September 2016