BRASILIEN: Rio Madeira – Wasserkraftprojekt im Herzen des Amazonas

Im Herzen des Amazonas-Regenwalds am Rio Madeira entsteht derzeit ein Komplex von vier Staudämmen. Mitten in einem der artenreichsten Areale der Welt, das wissenschaftlich bisher kaum erforscht wurde, beteiligt sich die Andritz AG an den Staudämmen Jirau und San Antonio. Trotz Zweifel innerhalb der zuständigen Prüfstelle wurde das Projekt genehmigt – Gerüchten zufolge war bei der Finanzierungsanbahnung Korruption im Spiel. Die Staudämme werden zu einer gigantischen Naturzerstörung führen.
Der Auftragswert für die Andritz AG liegt in etwa bei 420 Millionen Euro. Während Teile der Anlage schon 2012 in Betrieb genommen wurden, werden sie erst Ende 2016 vollständig fertig gestellt sein.

Der Bau verzögerte sich u.a. aufgrund der Proteste einiger der rund 20.000 Beschäftigten, die im März 2011 über untragbare Arbeitsbedingungen, ausstehende und ungeregelte Löhne, fehlende Vergütung für Überstunden, mangelnde Gesundheitsversorgung und unzureichende Verpflegung klagten. Nachdem erste, friedliche Proteste von Sicherheitskräften mit Tränengaseinsatz zerstreut wurden, setzten die ArbeiterInnen ihre Arbeit aus und der Konflikt eskalierte.

Projektauswirkungen am Rio Madeira

  • 529 km² Regenwald werden überschwemmt und unwiederbringlich zerstört. Die Auswirkungen reichen bis in Schutzgebiete im benachbarten Bolivien.
  • Die Staudämme werden verheerende Folgen für die Bevölkerung, die Fauna und Flora des Regenwaldes haben. Wandernde Fischpopulationen sind in ihrer Existenz bedroht.
  • Zehntausende indigene Menschen müssen umgesiedelt werden. Mit einigen Gruppen wurde noch nicht einmal Kontakt aufgenommen.
  • Vor allem die Folgeprojekte wären fatal: 4.000 km Wasserwege sollen schiffbar gemacht, Häfen gebaut und das umliegende Land für die Agrarindustrie (vor allem für Soja-Anbau) nutzbar gemacht werden. Das würde das Ende des umliegenden Regenwaldes bedeuten.

 

Durch die Staudämme am Rio Madeira wird diese atemberaubende Flusslandschaft für immer verschwinden. Fotos: Greenpeace

 

Letzte inhaltliche Aktualisierung September 2016