Presseaussendung: Klimaplan der Luftfahrt beinhaltet mehr als Verdoppelung der Emissionen

  • Kritik an Greenwashing anlässlich des Treffens der UN-Luftfahrtorganisation ICAO

  • Neuer NGO- Bericht zeigt: Klimaneutrales Fliegen gibt es nicht!

  • Austrian Airlines vermarktet Emissiongutschriften aus umstrittenem Waldklimaprojekt

Brüssel / Wien, 14. November 2017 – In einem heute veröffentlichten Bericht zeigt die in Brüssel basierte Nichtregierungsorganisation FERN, die für Waldschutz und Menschenrechte eintritt, die Risiken des geplanten Kompensationsystems der Luftfahrtindustrie auf.

FERN veröffentlicht den Bericht anlässlich eines Treffens der Delegierten der UN Luftfahrt-Organisation ICAO (Internationale Zivilluftfahrt Organisation) in Montreal, Kanada, bei dem Einzelheiten eines groß angelegten CO2-Kompensationsschema der internationalen Luftfahrtindustrie verhandelt werden. Der Bericht zeigt die Risiken der Kompensationspläne anhand von Projekten auf, aus denen unter anderem Austrian Airlines Emissionsgutschriften anbieten.

Wäre die internationale Luftfahrt ein Land, lägen seine Emissionen an zehnter Stelle weltweit. Andere Sektoren werden zu drastischen Einschränkungen ihrer Emissionen gedrängt, aber Fluggesellschaften werden von staatlicher Seite mit dem Ausbau der Flughafeninfrastruktur faktisch dazu eingeladen, so weiterzumachen wie bisher. Die Airline-Lobby versucht sich aus der Verantwortung zu stehlen und plant weiterhin das exponentielle Wachstum des globalen Flugverkehrs. Das darf nicht passieren,” so Magdalena Heuwieser der österreichischen NGO Finance & Trade Watch, welche sich ebenfalls mit Flugverkehr und Emissionshandel beschäftigt.

Im Oktober 2016 verabschiedete die ICAO das System für Ausgleich und Minderung von CO2 in der Internationalen Luftfahrt (CORSIA), mit dem „CO2-neutrales Wachstum nach 2020” anvisiert wird. Tatsächlich involviert das dieser Plan mehr als die Verdoppelung der Emissionen aus der Luftfahrt. Nehmen wir das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens ernst, müssten Emissionen aus allen Sektoren stark reduziert werden. Währenddessen würde die Luftfahrt im Jahr 2050 20% des insgesamt noch verfügbaren Kohlenstoffbudgets aufbrauchen. Dazu kommt, dass die Klimawirkung der Luftfahrt etwa doppelt so hoch ist wie die des CO2.

Möglich machen soll das „CO2-neutrale Wachstum“ durch den massiven Einkauf von Kompensationsgutschriften: Andere sollen woanders gegen Bezahlung Emissionen vermeiden. Kompensationsprojekte befinden vor allem im Globalen Süden. Es handelt sich unter anderem um Wasserkraftwerke, die Verbreitung „klimaneutraler“ Kocher, Baumplantagen oder Waldschutzprojekte.

CO2-Kompensation steht jedoch wegen ihrer tatsächlichen Auswirkungen auf das Klima und die lokale Bevölkerung in der Kritik. Insbesondere gilt dies für Projekte, die Kompensationsgutschriften aus Waldschutzprojekten vermarkten, denn die Bestimmung von Kohlenstoff im Wald ist extrem unsicher und eine Speichergarantie gibt es nicht.

FERN hat die Versprechen von Wald-Kompensationsprojekten untersucht, aus denen internationale Fluggesellschaften derzeit Passagieren, die „klimaneutral” fliegen wollen, über externe Anbieter Kompensationsgutschriften anbieten. Eines davon ist Mai N’dombe, Demokratische Republik Kongo (DRK), im Portfolio für Passagiere von Austrian Airlines und San Diego Airport1. Die beiden Projekte führen nicht nur zu Konflikten vor Ort und gefährden die Ernährungssicherheit, sie haben auch ihr zentrales Ziel, verfehlt, Wald zu schützen. Das Versprechen, mit dem Kauf von Kompensationsgutschriften „CO2-neutral” fliegen zu können, bleibt eine Illusion.

Bei den Problemen und Konflikten handelt es sich nicht um isolierte Fälle. Projekte, die Kompensationsgutschriften aus angeblichem Waldschutz anbieten, generell bis zu acht der Kriterien verfehlen, mit denen ICAO gewährleisten will, dass im Rahmen von CORSIA verwendete Kompensationsgutschriften tatsächlich Vorteile für das Klima haben.

Kein Waldschutzprojekt kann permanente Emissionsreduzierungen garantieren. Im Wald gespeicherter Kohlenstoff und Kohlenstoff aus fossilen Brennstoffen sind in Bezug auf den Klimawandel nicht äquivalent. Der ICAO darf nicht erlaubt werden, so zu tun, als ließe sich die Freisetzung von Kohlenstoff aus Erdöl durch den Schutz von angeblich gefährdeten Wäldern ausgleichen,” so abschließend Julia Christian von FERN.

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Broschüre „Unearned Credit. Why aviation industry forest offsets are doomed to fail“: http://www.fern.org/unearnedcredit

Pressekontakte:

Magdalena Heuwieser
Finance & Trade Watch, Klima-Campaigner
0650/3773102
magdalena.heuwieser@ftwatch.at

Julia Christian
FERN, Wald- und Klima-Campaigner
+32 2894 4697
julia@fern.org

1 Die Organisation Rainforest Foundation UK hat das Mai N’dombe REDD+ Projekt eingehend untersucht und den Projektgutachtern (Verified Carbon Standard, or VSC) im September 2017 detaillierte Informationen über Unstimmigkeiten in der Projektbegründung vorgelegt. Siehe: http://www.vcsprojectdatabase.org/services/publicViewServices/downloadDocumentById/28497. Die Antwort von VCS ist hier einsehbar: http://www.vcsprojectdatabase.org/services/publicViewServices/downloadDocumentById/28776