Green Economy

Ist das „Greening“ unserer Wirtschaft die Lösung?

Im Kontext der Rio+20 Konferenz im Jahr 2012 betrat eine neue Leitidee die politische Arena. Die Green Economy, welche das gescheiterte Konzept der nachhaltigen Entwicklung gewissermaßen ablöst und erweitert, wird von einer prominenten Allianz aus OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) und Weltbank vorangetrieben und von vielen weiteren Akteuren, seien es grüne Parteien, Konzerne, Banken, Hedge Fonds und gewisse große Umweltschutzorganisationen maßgeblich unterstützt.

carros autopista RGB

Die Idee dahinter ist: Keine neuen großen politischen Entscheidungen (wie Kyoto), die in der Sackgasse stecken, werden die Klimakrise überwinden, sondern eine Transformation der Wirtschaft. Tatsächlich: Unser Wirtschaftssystem, das auf Konkurrenz und Wachstum beruht, und damit ohne Überproduktion und Überkonsumption nicht auskommt, ist Ursache der Umweltzerstörung und des Klimawandels und sollte darum im Zentrum der Krisenlösung stehen. Doch das ist mit einer Transformation der Wirtschaft nicht gemeint…

Eine Win-Win-Situation?
Die Green Economy verspricht, Umwelt- und Klimaschutz mit Wirtschaftswachstum und Entwicklung in Einklang zu bringen. Die in die Krise geratene Wirtschaft und das Finanzsystem sollen durch ein „Greening“, durch eine ökologische Modernisierung, angekurbelt werden. [1] Investitionen sollen vermehrt in „grüne“ Bereiche wie erneuerbare Energie fließen und an Stelle der leeren Staatskassen für Naturschutz soll ein Markt treten. Dafür ist es notwendig, die Bereiche der Natur, die bisher noch nicht für die Ökonomie sichtbar waren, marktkonform zu machen. Die „Leistungen“ der Natur müssen in Wert gesetzt, Umweltschäden internalisiert werden. Natur wird zu „Naturkapital“. Letztendlich bedeutet dies eine umfassende Ökonomisierung der Welt, in der immer unter die Wirtschaftslogik subsumiert wird. [2]

Natur – Natur + Natur = Natur
Es wird davon ausgegangen, dass die Lösung des Klimawandels in Kosten-Nutzen-Analysen und Berechnungen des Geldwerts von Natur liegt, und dass ÖkonomInnen Zahlenantworten auf komplexe Fragen wie den Klimawandel geben können. Doch Entscheidungen über solch normative Angelegenheiten können nicht einfach nur auf – überdies nicht objektiv erhebbaren – Daten beruhen sondern bedürfen gesellschaftlicher Auseinandersetzung und demokratischer Entscheidungen. Bei der Green Economy werden aus normativen Entscheidungen Rechnungen.

Es heißt, richtige Preise und Informationen würden die Naturzerstörung und den nicht-nachhaltigen Ressourcenverbrauch aufhalten. Doch dabei wird vorgegaukelt, die Welt existiere ohne Interessen und Machtgefüge. Es wird suggeriert, dass beispielsweise intensivierter Kohleabbau durch die monetäre Berechnung des dadurch entstehenden Schadens an Mensch und Natur aufgehalten werden kann: Wie viele Menschen würden erkranken und früher sterben, und wie hoch wären deshalb die Gesundheitskosten? Welche „Ökosystemdienstleistungen“ würden eingeschränkt und wie viele Kosten würde das verursachen? Abgesehen davon, wie makaber es ist, menschliches, tierisches und pflanzliches Leben oder Sterben einen ökonomischen Wert zu geben, ist es sehr fraglich, ob solche Zahlen Wirkung zeigen. Sind nicht trotz des ohnehin existierenden Wissens über die zerstörerische Wirkung für Mensch, Klima und Umwelt und trotz massivem Widerstand die Energiekonzern-Interessen stärker?

Dass Klimawandel dringend bekämpft gehört und dass der übermäßige Zugriff auf Ressourcen, fossile Brennstoffe und Senken [3] Hauptursachen dafür sind und somit drastisch reduziert gehören, wissen wir. Dazu brauchen wir keine neuen Berechnungen. Dazu brauchen wir mehr politische Durchsetzungsfähigkeit, und zwar rasch!

Weiterlesen: Der Artikel „Alles grün, alles gut?“ von Magdalena Heuwieser ist Teil der Broschüre “Geld wächst nicht auf Bäumen – oder doch?” (herausgegeben von Finance & Trade Watch und dem Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika FDCL).


[1] UNEP (2011): Towards a Green Economy: Pathways to Sustainable Development and Poverty Eradication. www.unep.org/greeneconomy

OECD (2011): Towards Green Growth. http://www.oecd.org/greengrowth/keydocuments.htm [22.8.2013]

[2] Fatheuer, Thomas (2013): Neue Ökonomie der Natur. Eine kritische Einführung. www.boell.de/sites/default/files/neue-oekonomie-d-natur_kommentierbar.pdf

[3] Mit Senken sind meist Wälder oder Ozeane gemeint, die die Fähigkeit haben, Treibhausgase zu speichern: „Any process, activity or mechanism which removes a greenhouse gas from the atmosphere is referred to as a ‚sink.‘“ http://unfccc.int/methods/lulucf/items/1084.php