PES – Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen

PES steht für Payment for Ecosystem Services, also ein System von (Ausgleichs-)Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen. Es zählt zu den „innovativen“ Finanzierungsmechanismen, die derzeit implementiert werden, um Umweltschutz leistbar bzw. profitabel zu machen.

Biene

Bei PES-Systemen wird meist der „Besitzer“ der Natur, der die Bereitstellung der Ökosystemdienstleistungen kontrolliert, von einem Nutzer dieser Leistungen oder dem Staat bezahlt. Die bisher existierenden Formen davon sind noch kaum marktbasiert, eine Monetarisierung der Natur ist dafür eigentlich nicht nötig – dies wäre unnötig und viel zu komplex und aufwendig. So handelt es sich häufig um eine Art von Subvention, zum Beispiel, indem Bergbäuerinnen und -bauern für die umweltgerechte Erhaltung von Kulturlandschaft finanziell unterstützt werden.

Doch immer mehr werden marktbasierte und auf Berechnungen und Monetarisierung aufbauende PES-Systeme gefordert und vorangetrieben – was einen fundamentalen Unterschied bedeutet und die Natur zu einer neuen (auch auf dem Finanzmarkt) handelbaren Ware macht. Auch diejenigen PES-Systeme, die derzeit als staatlich regulierte Mechanismen geplant werden, können in Folge jederzeit wegen Geldmangel oder genügend Druck der Wirtschafts- und Finanzlobby für den freien Markt geöffnet werden. Ein Beispiel von PES sind Biodiversitäts-Offsets. Die derzeit größte Initiative, um ein weltweites PES-System aufzubauen, ist das Waldschutzprogramm REDD+, das auch eng mit dem Emissionshandel verbunden ist. [1]

Beruhend auf bisherigen Erfahrungen gibt es zahlreiche Kritikpunkte an PES:

  1. Insbesondere in Ländern des Globalen Südens (wie in Costa Rica), in denen PES umgesetzt wurde, ist sichtbar, dass die Zahlungen entgegen ihrer postulierten Armutsbekämpfung tendenziell eher den Großgrundbesitzer*innen oder wohlhabenderen Gemeindemitgliedern dienen und Landkonflikte häufig verstärken. [2]
  2. Dadurch, dass die „Ökosystemdienstleisterin“ Natur selbst kein Einkommen erhalten kann, braucht es Eigentümer*innen der Natur. Gerade indigene Gemeinden haben jedoch oft nur Nutzungsrechte, keine legalen Landtitel. In der Realität bedeutet das oft eingeschränkten Zugang dieser Gemeinden zu ihrem Territorium oder gar Vertreibung – wie im Falle von REDD+ deutlich wurde. [3]
  3. PES bedeutet oft jede Menge Bürokratie und Transaktionskosten, v.a. in Ländern des Globalen Südens, weshalb nur wenig Profit tatsächlich in den Gemeinden ankommt. [4] Gleichzeitig wird die Implementierung von PES-Systemen von v.a. öffentlichen und Entwicklungsgeldern bezahlt, die wiederum für effektive Natur- und Klimaschutzmaßnahmen nicht zur Verfügung stehen. Überhaupt werden Umweltschutz- und Entwicklungsgelder immer mehr in solch Output-orientierte, marktbasierte Mechanismen umgebaut.
  4. PES verändert holistische, kulturell unterschiedliche Lebensweisen und Naturverhältnisse hin zu einer standardisierten Management-Logik, in der der (bis dahin meist selbstverständliche) Schutz mit Geldzahlungen verbunden wird. [5]
  5. Es ist nicht möglich, zu garantieren, dass das geschützte Ökosystem nicht in naher Zukunft doch abbrennt oder zerstört wird.
  6. Der Schutz wird abhängig vom Markt und fluktuierenden Preisen für die leistungsorientierten PES-Zahlungen. Ist die Nachfrage nach z.B. Biodiversitäts-Offsets gering, muss der Schutz eines Waldes womöglich wieder gestoppt werden. Die derzeitigen Entwicklungen von Emissions-Offsets zeigen, dass die Hoffnungen auf eine große Nachfrage sehr schnell enttäuscht wurden.

Mehr konkrete Beispiele und Kritikpunke finden sich bei Biodiversitäts-Offsets und bald bei den Artikeln zu CDM und REDD+.

LITERATUR:

[1] S.48: Fatheuer, Thomas (2013): Neue Ökonomie der Natur. Eine kritische Einführung. www.boell.de/sites/default/files/neue-oekonomie-d-natur_kommentierbar.pdf
[2] S.6: Kill, Jutta (2014): Trade in Ecosystem Services. When ‚payment for environmental services‘ delivers a permit to destroy.  www.wrm.org.uy/html/wp-content/uploads/2014/04/Trade-in-Ecosystem-Services.pdf
[3] S.14: Kill s.o.
[4] S.12: Kill s.o.
REDD+ Fallstudie (Madagaskar): http://www.amisdelaterre.org/REDD-in-Madagascar-You-can-t-see.html
Heuwieser, Magdalena (2014): CO₂lonialismo – Green Grabbing und die Verteidigung indigener Territorien in Honduras. Diplomarbeit an der Universität Wien. http://hondurasdelegation.blogspot.co.at/2014/05/colonialismo-green-grabbing-und-die.html
[5] Heuwieser s.o.

 

Weiterlesen: Der Artikel „Wie man Bienen bezahlt“ von Magdalena Heuwieser ist Teil der Broschüre “Geld wächst nicht auf Bäumen – oder doch?” (herausgegeben von Finance & Trade Watch und dem Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika FDCL).