GLOBAL 2000 und ECA Watch: Keine Unterstützung für Zellstoffabrik auf Sumatra!

Hier unsere heutige Presseaussendung zum Zellstoffriesen Asia Pulp and Paper, Regenwaldzerstörung in Indonesien, einer geplanten neuen Zellstofffabrik auf Sumatra und möglichen Verquickungen nach Österreich. NGO-Gäste aus Indonesien waren vergangene Woche in Wien auf Zwischenstopp und berichteten in Treffen mit Banken und mit Parlamentariern zur aktuellen Lage der Regenwälder Indonesien und den Aktivitäten von Asia Pulp and Paper.

 

GLOBAL 2000 und ECA Watch: Keine Unterstützung für Zellstoffabrik auf Sumatra!

Wien, 27.11.2012 Das asiatische Unternehmen Asia Pulp and Paper (APP) plant, auf Süd-Sumatra eine der größten Zellstofffabriken der Welt zu bauen. APP erlangte in den vergangenen zwei Jahrzehnten traurige Bekanntheit aufgrund illegaler Urwaldschlägerungen und Konflikten um Landrechte der lokalen Bevölkerung. ECA Watch und GLOBAL 2000 bemühen sich nun, mögliche österreichische Finanzierer und Zulieferer für den Fabriksneubaueindringlich zu warnen.

APP ist eines der berüchtigsten Unternehmen unter den Papier- und Zellstoffproduzenten weltweit. Ihr werden Menschenrechtsverletzungen, Korruption und illegaler Regenwaldeinschlag im großen Stil angelastet,“ erzählt Thomas Wenidoppler von der Umwelt- und Menschenrechtsorganistaion ECA Watch Österreich. Die APP-Zellstofffabrik „Indah Kiat“ auf Sumatra hat bereits in den 1990er Jahren weltweit für Aufsehen gesorgt. Schon 1993 waren die illegalen Schlägerungen im Regenwald so weit aufgefallen, dass der Betrieb mit einer exemplarischen Strafe von 1,4 Mill. USD belegt wurde. Insgesamt fielen dem Unternehmen bis jetzt über zwei Millionen Hektar Regenwald zum Opfer. Trotz späterer Umweltauflagen hat sich das Unternehmen auch in den letzten Jahren nicht gebessert.

NGO-Gäste aus Indonesien, die im Rahmen ihrer Bewußtseinsbildungstour auch in Wien Station machten, bestätigen dies: „Die Abholzungspraktiken von APP zerstören unsere letzten Regenwälder. Dies hat massive Auswirkungen für lokale Gemeinschaften vor Ort als auch auf akut gefährdete Tierarten wie die Tiger und Elefanten auf Sumatra. APP und seine Subunternehmen schlägern Primärwald mit illegal erworbenen Konzessionen. Es gab bereits Verurteilungen von bestochenen Politikern, das Unternehmen macht aber weiter wie zuvor,“ so Aidil Fitri von der Umweltschutzorganisation „Yayasan Wahana Bumi Hijau“ (Institut Grüne Erde) auf Sumatra. Seine Organisation setzt sich vor Ort gemeinsam mit der GLOBAL 2000 Partnerorganisation WALHI gegen die Machenschaften von APP ein.

Am Bau des bereits bestehenden APP-Zellstoffwerkes „Indah Kiat“ war der österreichische Anlagenbauer Andritz beteiligt, außerdem fungierten die Creditanstalt (heute Bank Austria) sowie die Erste Bank als Finanzierer. Die Kredite wurden durch Bundesgarantien der Österreichischen Kontrollbank, also mit österreichischen Steuergeldern versichert. „Noch warten wir auf klare Aussagen dieser Unternehmen zum geplanten Neubau“, so Lisa Kernegger, Ökologin bei GLOBAL 2000.

Aus Sicht von GLOBAL 2000 und ECA Watch erscheint eine wiederholte Beteiligung von Andritz jedoch wahrscheinlich. In einem offenen Brief von internationalen NGOs wurden weltweit potentielle Finanizerer angeschrieben. In Österreich wurde der Brief an Erste Bank, Bank Austria, Raiffeisen Zentralbank, die OeKB sowie an die Andritz AG übermittelt. Der Brief kann im Englischen Original hier heruntergeladen werden: http://www.environmentalpaper.eu/wpcontent/uploads/2012/11/Bank_letter_on_pulp_investment.pdf

Wenidoppler betont: „Firmen wie Disney, Mattel, Unilever, Nestle, Danone, Hasbro, Xerox und Mondi beziehen aus Angst um Reputationsverlust keine Produkte mehr von APP. Aus Sicht des Umweltschutzes heißt das überspitzt formuliert: Sogar meist nicht zimperlichen Unternehmen ist APP zu böse.

APP hat ein Büro in Wien für den gesamten osteuropäischen Raum. Das zeigt wieder einmal sehr traurig: Wir in Europa haben die Umweltverschmutzung nicht verringert oder gar ausgemerzt – wir haben sie nur ausgelagert. Umweltzerstörung eines so gewaltigen Ausmaßes findet jetzt am anderen Ende der Welt statt, und dennoch machen auch wir hier in Europa uns mitschuldig daran. Österreichs Banken und Unternehmen dürfen keine Kooperationen mit APP mehr eingehen,“ untermauert Kernegger den eindringlichen Aufruf der indonesischen NGOs abschließend.