Initiative und Kurzfilm gegen „Biodiversitäts-Offsetting“

Als Reaktion auf eine EU-Gesetzesinitiative, „Biodiversitäts-Offsetting“ in der ganzen EU einzuführen, haben mehrere Organisationen einen Brief an die Europäische Kommission entworfen. Darin wird gefordert, sämtliche Pläne für Offsetting fallen zu lassen, da dieses „denen Macht verleiht, welche die Natur zum Zweck privater Profite zerstören“. Der Brief kann online von Einzelpersonen und Organisationen unterzeichnet werden.

Ebenso entstand in diesem Zusammenhang ein kritisch-sarkastischer Kurzfilm zu Biodiversitäts-Offsetting: „Wenn Träume wahr werden“

ECA-Watch Österreich und die Plattform „Finance & Trade Watch“ teilen die im Brief und im Film geäußerte Kritik am „Biodiversitäts-Offsetting“, welches die Berechnung, Monetarisierung und den Handel mit Natur voraussetzt und Naturschutzgesetzgebungen stark verwässern würde.

Bis zum 17. Oktober diesen Jahres gibt es die Möglichkeit, neben der Unterzeichnung des Briefs an die EU-Kommission und der Verbreitung des Kurzfilms auch durch die Teilnahme an einer öffentlichen EU-Konsultation auf die Gefahren des „Offsetting“ aufmerksam zu machen.

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Brief an die Europäische Kommission:

Sehr geehrte Kommissions-Mitglieder,
wir sind eine Gruppe besorgter Organisationen und Individuen, die der Meinung sind, dass die von der Europäischen Kommission beabsichtigte Gesetzgebung zu „Biodiversitäts-Offsetting“ schädlich ist für Natur und Menschen und dass sie denen Macht verleiht, welche die Natur zum Zweck privater Profite zerstören. Wir ersuchen Sie, sämtliche Pläne für „Offsetting“ fallen zu lassen.

„Offsetting“ bietet eine Lizenz zur Zerstörung
Globale Erfahrungen von Biodiversitäts-Offsetting (bzw. Ausgleichsmechanismen) zeigen, dass es zusätzlichen Druck auf Biodiversität nach sich zieht. Dies liegt daran, dass umstrittenen Entwicklungen durch das Offsetting ein grüner Stempel verliehen wird. So verschwieg beispielsweise die britische Regierung nicht, dass Biodiversitäts-Offsetting „Planungsanträge beschleunigen“ werden. Bereits jetzt erleichtern Biodiversitäts-Offsets die Genehmigung von Entwicklungsanträgen in uralten britischen Wäldern, hochwertigen Grasflächen und von lokalen Gemeinden genützten Flächen. [1]

Macht Natur zu einer Ware
Biodiversitäts-Offsetting macht Natur zu einer Ware und verbreitet den gefährlichen Eindruck, Natur sei ersetzbar. Biodiversität und Ökosysteme sind komplex und einzigartig. Es ist unmöglich, Biodiversität auf ein Bewertungs- und Zertifikatschema zu reduzieren, wie dies bei vielen Offsetting-Systemen vorgesehen ist.

Gemeinden verlieren ihren Zugang zur Natur
Biodiversitäts-Offsetting verschleiert die Tatsache, dass Natur, wenn sie zerstört wird, für immer verloren ist, was selbstverständlich zum Verlust von Biodiversität und dem Zugang zu Natur für lokale Gemeinden führt. Dies hat auch Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, auf Wohlbefinden und Lebensgenuss. Menschen wertschätzen die Natur nicht nur dafür, was sie ist, sondern auch, wo sie ist. Die soziale Rolle, die Natur in den Leben der Menschen und Gemeinden spielt, kann nicht einfach „ausgeglichen“ werden.

Naturschutz, Anerkennung der Verantwortung – Kein Offsetting
Wenn die EU und ihre Mitgliedsstaaten wirklich um den stetigen Verlust von Biodiversität besorgt sind müssen sie anerkennen, dass Offsetting das Problem nicht lösen sondern verstärken wird. Biodiversitäts-Verlust tatsächlich in Angriff zu nehmen erfordert, dass die Mitgliedsstaaten Gesetze umsetzen, welche Biodiversität wirklich schützen, dass sie einen kritischen Blick auf die Art und Weise der Landnutzung werfen und lokale Entwicklungspläne gemeinsam mit – statt entgegen – lokalen Gemeinden erarbeiten. Die Wirtschaft sollte im Interesse der BürgerInnen und nicht der großen Unternehmen gestaltet sein.

Natur ist ein Gemeingut. JedeR hat ein Recht darauf und Verantwortung darüber. Jede effektive Umweltschutzpolitik muss dies berücksichtigen.

Wir fordern, dass die Europäische Kommission die Pläne für eine EU-Gesetzgebung zu Biodiversitäts-Offsetting fallen lässt. Eine solche Richtlinie würde nur diejenigen, die es sich leisten können, dazu befähigen, Natur zu zerstören. Die EU sollte stattdessen im öffentlichen Interesse handeln, indem sie Biodiversität, Natur und öffentliche Räume durch klare Regulierungen und sinnvolle Umsetzung schützt.

Mit freundlichen Grüßen, 

[1] Siehe Fallstudien auf: http://www.fern.org/naturenot4sale

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Weitere Informationen zu Biodiversitäts-Offsets und zur „No Net Loss Initiative“ der EU auf unserer Homepage sowie in der Deklaration: Nein zu Biodiversitäts-Offsets!

Homepage der europäischen Initiative gegen Biodiversitäts-Offsets:  http://naturenotforsale.org

Kurzfilm mit Untertiteln auf Englisch, Spanisch, Franzoesisch, Italienisch und Holländisch auf: http://naturenotforsale.org/news/making-dreams-come-true-new-film/

Kurzfilm mit deutschen Untertiteln zum Herunterladen: http://vimeo.com/102832304

Bei Interesse an dem Thema und im Falle einer geplanten Teilnahme an der Konsultation freuen sich ECA-Watch Österreich und das Projekt Finance & Trade Watch über einen gegenseitigen Austausch: info@ftwatch.at