Kommmentar anlässlich der heutigen Bilanzlegung der Andritz AG

Wien, 28.02.2014 Heute Vormittag präsentiert Andritz-Chef Wolfgang Leitner die Unternehmensgewinnzahlen für das Jahr 2013. Die Andritz AG hatte bereits vorab angekündigt, dass die wirtschaftliche Bilanz diesmal nicht so positiv ausfallen wird, wie es in den letzten Jahren der Fall war. ECA Watch möchte auch heuer den Anlass nutzen, auf die soziale und ökologische Jahresbilanz von Andritz hinzuweisen, denn die ist, wie schon in den vergangenen Jahren, gar nicht rosig:

Es ist sicherlich wahr, dass Andritz seine Mitarbeiter gut behandelt und auch relativ umweltverträgliche Anlagen bauen kann. Andritz verweist in diesem Zusammenhang gerne auf die Umweltpreise, die die Firma erhalten hat. Doch diese Auszeichnungen gelten ihren Produkten, nicht der Unternehmenspolitik. Die Kehrseite der Medaille ist die fortlaufende Beteiligung an so verheerenden Projekten, dass die soziale und ökologische Bilanz unterm Strich ein dickes rotes Minus aufweist. Erst vergangene Woche hat Andritz den zivilgesellschaftlichen Negativpreis „Schandfleck“ wegen deren Lieferung von Turbinen für Staudammprojekte mit fatalen Folgen für Mensch und Umwelt erhalten.

Andritz hat sich leider zu einem der rücksichtslosesten Firmen der Branche entwickelt. Das Unternehmen beteiligt sich, wie im Fall Ilisu in der Türkei selbst an Projekten, von denen Regierungen abraten und selbst Mitkonkurrenten Abstand nehmen. Nach Ilisu und Belo Monte wird sich die Andritz Hydro nun auch am Mega-Staudamm Xayaburi in Laos beteiligen. Das Vorhaben am Mekong wird negative Folgen für Millionen Menschen, deren Lebensgrundlage und die Naturräume haben. Und zwar nicht nur in Laos, sondern auch grenzübergreifend in Thailand, Kambodscha und Vietnam. Das Projekt Xayaburi wird der Anfang einer Reihe von Staudämmen am Mekong sein, der die Ernährungsgrundlage für 60 Millionen Menschen ist und aus dem etwa ein Viertel der weltweiten Süßwasserfischfänge stammt.

Letzte Woche hat Andritz seine Beteiligung am Bau einer gigantische Zellstofffabrik des Unternehmens Asia Pulp and Paper (APP) im Regenwaldgebiet der indonesischen Insel Sumatra verkündet. Auch hier sind gravierende Auswirkungen auf bedrohte Tierarten wie Elefanten und Tiger, auf die anliegenden Flüsse und auf Fischerei und Landwirtschaft der Lokalbevölkerung zu befürchten.

Es wäre an der Zeit, dass Andritz ihre eigene soziale und ökologische Performance überdenkt seine Verantwortung für Mensch und Umwelt auch im Ausland wahrzunehmen beginnt.