UN-Menschenrechtskommission legt Empfehlungen an Österreich vor: Handlungsbedarf besteht auch bei Auslandsprojekten

Wien/Genf, 05.12.2013. Im Anschluss an die offizielle Berichtlegung Österreichs an die UN-Kommission für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte in Genf, hat die Menschenrechtskommission nun ihre Empfehlungen an die Bundesregierung vorgelegt. Erstmals unterstreicht die Kommission auch den großen Handlungsbedarf für die Republik bei den extra-territorialen Staatenpflichten und mahnt die menschenrechtliche Verantwortung der Politik bei EZA-Projekten und für österreichische, im Ausland operierende Unternehmen ein.

Im Rahmen des UN-Paktes für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights – ICESCR) hat sich Österreich verpflichtet, alle fünf Jahre Bericht über den Fortschritt der Wahrung dieser spezifischen Menschenrechte abzulegen. Neben innerösterreichischen Kritikpunkten wurde diesmal vom UN- Komitee auch explizit die Verantwortung Österreichs sowohl für staatliche als auch nicht-staatliche Aktivitäten im Ausland eingemahnt: Das Komitee forderte neben einer Erhöhung der EZA-Ausgaben vor allem auch verpflichtende Menschenrechtsprüfungen im Rahmen von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit. Es zeigte sich weiters besorgt über den mangelnden menschenrechtlichen Überblick der Regierung über österreichische Unternehmen, die im Ausland operieren. Gefordert wurde der Schutz der Menschenrechte in Hinblick auf Firmenaktivitäten durch die Einführung gesetzlicher Regelungen sowie Mechanismen für besseres Monitoring und Einklagbarkeit. (Details im Anhang)

„Vor allem hinsichtlich der extra-territorialen Staatenpflichten ist es an der Zeit, dass Österreich Farbe bekennt und auch hier zum Schutz der Menschenrechte steht. Notwendig wäre dies etwa bei Unternehmen wie der Andritz AG, die sich wissentlich an Projekten mit schweren menschenrechtlichen Folgen beteiligt, während Österreich dieses Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren (2008-2012) mit Bundeshaftungen im Ausmaß von 1,7 Milliarden Euro unterstützt hat,“ so Thomas Wenidoppler von ECA Watch Österreich.

Schon während der diesjährigen Anhörung am 20.11.2013 in Genf hatten die Kommissionsmitglieder trotz aller Diplomatie sehr kritische Fragen an die offizielle österreichische Delegation – bestehend aus VertreterInnen des Bundeskanzleramtes und fast aller Ministerien (insg. 21 Personen). „Es ist ein Erfolg und ein Beweis für die gute Arbeit der österreichischen NGOs, dass die UN-Kommission unsere Kritikpunkte ernst nimmt und viele unserer Forderungen an die Republik weitergibt. Es gibt noch viel Handlungsbedarf auf Seiten der Republik,“ so Wenidoppler.

ECA Watch war Teil einer österreichischen NGO-Delegation unter der Führung von FIAN (Food First Information and Action Network), die – im Vorfeld an die Anhörung Österreichs – der Menschenrechtskommission in Genf zwei NGO-Parallel-Berichte vorgestellt hat. Darin schildern die Nichtregierungsorganisationen ihre Sicht des menschenrechtlichen Status Quo innerhalb Österreichs sowie im Rahmen der extra-territorialen Staatenpflichten. Die Parallelberichte sind auf der Website von FIAN abrufbar: http://www.fian.at/home/aktionen/parallelbericht2013/

Die gesamten Empfehlungen der Kommission („Concluding Observations“) sind unter dem folgenden Link abrufbar:
http://tbinternet.ohchr.org/_layouts/treatybodyexternal/Download.aspx?symbolno=E%2fC.12%2fAUT%2fCO%2f4&Lang=en

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ANHANG:

Die genannten Kritikpunktepunkte und Empfehlungen (Abs. 10-12) im Wortlaut:

10. The Committee regrets that the State party’s contribution of its official development assistance decreased from 0.47 per cent of the gross national income in 2006 to 0.28 per cent in 2012 (art.2).

The Committee recommends that the State party increase the level of its contribution of official development assistance to achieve the international target of 0.7 per cent of its gross national income as expeditiously as possible.
11. The Committee is deeply concerned that the State party’s official development assistance provides support to projects that have reportedly resulted in violations of economic, social and cultural rights in the recipient countries. It is further concerned that the State party’s agriculture and trade policies, which promote the export of subsidized agricultural products to developing countries, undermine the enjoyment of the right to an adequate standard of living and the right to food in the receiving countries (arts.2 and 11).

The Committee calls upon the State party to adopt a human rights-based approach to its policies on official development assistance and on agriculture and trade, by:

  1. undertaking a systematic and independent human rights impact assessment prior to making funding decisions;
  2. establishing an effective monitoring mechanism to regularly assess the human rights impact of its policies and projects in the receiving countries and to take remedial measures; and
  3. ensuring that there is an accessible complaint mechanism if violations of economic, social and cultural rights occur in the receiving countries.

12. The Committee is concerned at the lack of oversight over Austrian companies operating abroad with regard to the negative impact of their activities on the enjoyment of economic, social and cultural rights in host countries (art.2).

The Committee urges the State party to ensure that all economic, social and cultural rights are fully respected and rights holders adequately protected in the context of corporate activities, including by establishing appropriate laws and regulations, together with monitoring, investigation and accountability procedures to set and enforce standards for the performance of corporations, as underlined in the Committee’s statement on the obligations of States parties regarding the corporate sector and economic, social and cultural rights (E/C.12/2011/1).

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