Bell Bay Pulp Mill

Auf der als Naturparadies bekannten australischen Insel Tasmanien sollte eine der größten Zellstofffabriken der Welt, die „Bell Bay Pulp Mill“, errichtet werden. Das Projekt ist das wohl umstrittenste Vorhaben in ganz Australien. Um die Fabrik zu betreiben, sollen in den nächsten 25 Jahren etwa 200.000 Hektar Urwald – eine Fläche fast so groß wie Vorarlberg – gerodet und durch Plantagen ersetzt werden. Täglich sollen 64.000 Kubikmeter Abwasser ins Meer geleitet werden.

Das österreichische Unternehmen Andritz AG soll die Anlage errichten, die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) will das Projekt versichern. Der Auftragswert für Andritz beläuft sich auf rund 500 Mio Euro, die OeKB würde für einen Wert von 35 Mio Euro versichern.

Durch die Rodungen und den Betrieb der Anlage würden pro Jahr 10 Mio. Tonnen Treibhausgase entweichen. Das entspricht den jährlichen Emissionen von ganz Wien. In der Zellstoffherstellung ist der Einsatz von Chlorbleiche geplant, die hochgiftigen Abwässer würden direkt in die anliegende Bucht geleitet. Aufgrund des hohen Verbrauchs müsste Frischwasser mittels Pipelines von anderen Teilen der Insel hergeleitet werden, wo dieses wiederum abgeht. Die Konsequenzen für Flora und Fauna, wären unabsehbar. Zahlreiche nur in Tasmanien vorkommende Arten, wären akut bedroht. Darunter der Tasmanische Beutelteufel, der Tasmanische Keilschwanzadler, der Schwalbensittich oder auch der größte Flusskrebs der Welt, der Tasmanische Riesen-Flusskrebs.

© The Wilderness Society

Die australische Bevölkerung spricht sich mehrheitlich gegen das Projekt aus. Durch die Zellstofffabrik würden auf Tasmanien langfristig Jobs verloren gehen, denn durch die hohe Umweltbelastung würden das Fischereiwesen und der Tourismus auf Tasmanien stark beeinträchtigt. Tasmanien lebt neben der Holzindustrie hauptsächlich von Fischerei, Weinbau und Touristen, die wegen der unverfälschten Natur auf die Insel kommen. In Australien sind wegen dieses Projekts zahlreiche Gerichtsverfahren anhängig und australische Banken verweigern die Finanzierung. Der vehemente nationale Protest hat bereits zu Rücktritten von namhaften Politikern geführt, die die Papierfabrik unterstützen.

Australische und viele internationale Banken lehnten eine finanzielle Unterstützung bereits ab – darunter auch die österreichischen Kreditinstitute Hypo Vereinsbank, RZB, Erste Bank. Die Bank Austria ist nach eigenen Angaben nicht involviert. Im Juli 2009 gab die australische Regierung die prinzipielle Erlaubnis für den Bau, ohne jedoch eine Betriebsgenehmigung auszusprechen. Während der Widerstand der Bevölkerung ungebrochen ist, suchen die australische Firma Gunns und die steirische Andritz AG noch nach Sponsoren für das Projekt.

Trotz mehrmaliger Anfrage ist Andritz zu keinen Gesprächen bereit. ECA Watch spricht sich gegen das katastrophale Projekt aus und fordert die Andritz AG sowie die OeKB auf, sich nicht am Bell Bay Pulp Mill Projekt zu beteiligen.

Inzwischen ist die Betreiberfirma Gunns bankrott gegangen und die Baulizenzen wurden versteigert. Es ist zu befürchten, dass neue Investoren dieses Projekt wieder revitalisieren. Mehr dazu.

Weitere Infos:

Gunns Fact Sheet Oct09

Letztes update März 2013

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