Indonesien: Papierfabrik IIU/ Toba Pulp Lestari

Die Papierfabrik Inti Indorayon Utama (IIU) vergiftete Flüsse, schlägerte Regenwald und Gemeindewälder und wird für die Absenkung des Wasserspiegels des weltberühmten Toba-Sees in Sumatra verantwortlich gemacht. Nach massiven Protesten und Demonstrationen wurde sie 2000 geschlossen – nun steht sie vor der Wiedereröffnung unter dem neuen Namen Toba Pulp Lestari. Gebaut wurde sie wahrscheinlich auch mit österreichischem Geld.

Das Zellstoff- und Viskose-Werk „Inti Indorayon Utama“ (IIU) in Sumatra ist einer der bekanntesten Umweltsünder Indonesiens. Auf das Konto von IIU gehen Urwaldschlägerungen von Zehntausenden Hektar, um dort schnellwüchsige Eukalyptus-Plantagen anzulegen. Traditionelle Gemeindewälder werden den Dörfern weggenommen, die Holzschnitzer müssen heute das Holz aus ihrem Wald „stehlen“.

Abholzung in Indonesien

Die Fabrik leitet außerdem große Mengen giftiger Abwässer in den Asahan-Fluß, die auch benachbarte Brunnen verseuchen. Die Bevölkerung am Fluss leidet unter Hauterkrankungen, die Fische werden immer weniger. Die Abwässer sind so aggressiv, dass sie sogar die Turbinen eines flussabwärts gelegenen Kraftwerkes korrodieren. Erdrutsche durch schlecht gebaute Forststraßen erweitern das „Sündenregister“: 1989 kam es zu einem Erdrutsch, bei dem 13 Menschen starben.

Auch hier fehlt österreichische Hilfe nicht: Maschinen für IIU kamen von der österreichischen Firma SGP (Simmering-Graz-Pauker). Die Girocredit-Bank vergab mit anderen internationalen Banken einen Kredit an die IIU. Vermutlich ist hier die Kontrollbank beteiligt, doch das Finanzministerium verweigert die Auskunft.

Schon seit langem wird die Fabrik von Dorfbewohnern und Umweltschützern bekämpft: Schon im Jahr 1989 rissen aufgebrachte Bäuerinnen 16.000 Eukalyptus-Setzlinge aus, weil die Firma sie um ihr Land gebracht hatte.

Einen Höhepunkt erreichten die Auseinandersetzungen aber 1993: In der Fabrik explodierte ein Rohr, giftiges Chlorgas wurde frei, einige Häuser zerstört. 600 aufgebrachte Dorfbewohner stürmten daraufhin das Werk und setzten einige Gebäude in Brand. Im Jahre 1998 haben wieder einige hundert Demonstranten Fahrzeuge, Häuser und Geschäfte in Brand gesetzt. Der Protest brach aus, als die Polizei eine Straßenblockade auflösen wollte. Die Menge hatte die Zufahrtsstraße zu einem Sägewerk von IIU blockiert. Sie protestierten damit gegen die Wiederaufnahme der Abholzung auf der Insel Samosir im Tobasee. Ein Firmensprecher sagte, die Demonstranten hätten Firmen-LKWs gekidnapped und Fahrer als Geiseln genommen. Wenige Tage später setzten Hunderte von Demonstranten 13 mit Holz beladene LKWs von PT IIU in Brand.

1999 demonstrierten Zehntausende in Nord-Sumatra gegen die Zellstofffabrik IIU. Sie verlangten, dass die Regierung die Schließung der Fabrik anordnen sollte, die der Umweltzerstörung, des Erzeugens von eindringlichem Gestank, der Zerstörung der Wälder um den Tobasee und der Verursachung einer dramatischen Senkung des Wasserspiegels im See beschuldigt wird.

Im Jahr 2000 wurde die Fabrik vorläufig geschlossen, um im November 2002 unter einem neuen Namen – Toba Pulp Lestari – wiedereröffnet zu werden. Über 3000 Menschen protestierten zwischen 10. und 25. November 2002 gegen die Wiedereröffnung, es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei und zu Verhaftungen. Über 200 der Protestierenden flüchteten für mehrere Tage in eine lokale Kirche.

Eingriff gegen die Demonstranten

Weitere Infos zur IIU / TPL:
REDD (reduced emissions from deforestation and forest degradation)

Letztes update März 2013

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