Indonesien: Asia Pulp and Paper / Zellstofffabrik Indah Kiat

Aktuelle Infos zu Asia Pulp and Paper und zur Zellstofffabrik Indah Kiat finden sich auch auf der Homepage von Eyes on the Forest – ein Zusammenschluss von drei regionalen Umweltorganisationen in Riau, Sumatra (Indonesien).

Indah Kiat

Großflächige Schlägerungen im Regenwald, vergiftete Flüsse und die Vertreibung des Sakai-Volkes: Dadurch ist die Papierfabrik Indah Kiat in Sumatra (Indonesien) traurig bekannt geworden. Finanziert wurde sie unter anderem durch österreichische Exportgarantien.

An der Papierfabrik „Indah Kiat“ in Perawang, Sumatra, die zum indonesischen Papierkonzern „Asia Pulp and Paper“ (APP) gehört, ist Österreich beteiligt: Österreichische Banken („Creditanstalt-Bankverein“ und „Erste Bank“) haben APP im Jahr 1996 mit Export-Finanzierungen – mit OeKB-Garantien von über 21 Millionen USD – unter die Arme gegriffen. Außerdem stammt ein Großteil der Maschinenlieferungen von Andritz und Simmering Graz Pauker.

Papierfabrik Indah Kiat

Die APP ist ein echtes Kind des vergangenen Wirtschaftsbooms in der Region. Das Unternehmen ist zwar in Singapur registriert und notiert auch dort an der Börse, dürfte aber, in einem verschachtelten Mechanismus, in Besitz einer einflussreichen Familie in Indonesien sein, die sich wiederum durch milliardenschwere Garantien des indonesischen Staates abgesichert hat. „Indah Kiat“ ist einer der berüchtigtsten Fälle unter den Papierfabriken in Indonesien. Die moderne Ausrüstung steht im Gegensatz zur umweltzerstörerischen Arbeitsweise der Cash-Cow. Schon 1993 waren die illegalen Schlägerungen von „Indah Kiat“ im Regenwald so weit aufgefallen, dass der Betrieb mit einer exemplarischen Strafe von 1,4 Mill. USD belegt wurde.

1999 bezog die Fabrik noch immer 87 Prozent des Holzes aus Rodungen von Urwäldern und nicht aus Plantagen. In den letzten 12 Jahren hat diese Fabrik alleine den Kahlschlag von etwa 278.000 ha Regenwald verursacht. Die Unternehmensführung hat inzwischen zwar einige Modellplantagen angelegt, verschiebt aber ständig die Ziele zur Erreichung einer weitgehenden Selbstversorgung mit Holz aus eigenen Plantagen. Gegenwärtig wird als Zielvorgabe das Jahr 2007 angegeben.

Um die Plantagen möglichst in der Nähe der Fabrik anzulegen, hat die Unternehmensführung die Ländereien des dort lebenden Sakai-Volkes besetzt, kahlgeschlagen und mit schnellwachsenden Akazien bepflanzt. Die Sakais wurden praktisch mit einem Schlag ihrer Existenzbasis beraubt. 2001 mussten wieder Dutzende von Familien aus dem Dorf Betung, die größtenteils dem Volk der Sakai angehören, ihre Häuser fluchtartig verlassen, um sich vor den Schlagstöcken der Eingreiftruppen des Holzunternehmens PT Arara Abadi – Holzlieferant der Papierfabrik „Indah Kiat“ – in Sicherheit zu bringen. Nach Angaben eines Arztes wurden bei dem unerwarteten Übergriff zahlreiche Personen zum Teil schwer verletzt.

Der Attacke vorausgegangen war die friedliche Besetzung einer Zufahrtsstraße zum Waldgebiet der PT Arara Abadi durch die Dorfbewohner. Sie wollten damit gegen die illegale Plünderung ihrer Ländereien protestieren. Seit Jahren schon schwellen Konflikte zwischen den Sakai und den Holz- und Zellstofffirmen in der Region. Dabei ist Arara Abadi kein Einzelfall. Illegaler Holzeinschlag und illegale Brandrodungen sind auf Sumatra inzwischen alltäglich, und der Druck auf die noch verbleibenden Wälder nimmt angesichts des rasanten Ausbaus der Produktionskapazitäten – seit 1987 hat sich die Papierproduktion mehr als versiebenfacht – weiter zu.

Papierfabrik Indah Kiat

Eine der prominentesten indonesischen Umweltorganisationen, WALHI, hat eine detaillierte Dokumentation über die Verseuchung des angrenzenden Siak-Flusses durch die Papierfabrik „Indah Kiat“ erstellt. Massives Fischsterben und Hautkrankheiten der umliegenden Bevölkerung sind in der Dokumentation detailliert ausgewiesen. Eine alte Frau erzählt, „die juckenden Hautausschläge kommen immer wieder“. Ihr Arzt habe gesagt, das Flusswasser sei der Grund für die Erkrankungen. „Nachts, wenn alle schlafen, lassen sie den Dreck raus“, behauptet die Frau. Der indonesische Arzt Trabanni Raab beobachtet seit Jahren die Auswirkungen der Produktion von „Indah Kiat“ und behandelte schon Hunderte von Patienten, die durch die giftigen Abwässer und Chlorgaswolken schwer erkrankt sind. Er beklagt, dass es ihm nur möglich sei, die Symptome zu lindern. An der Ursache aber könne er nichts ändern, weil die Menschen gezwungen seien, Wasser aus den Flüssen zu benutzen. Er fordert die Schließung der Giftschleudern (aus: „Das verbürgte Elend“, arte-Film, 2001).

Letztes update März 2013

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